Nach dem Paradies „Esfahan“ fehlt uns ein letztes touristisches Ziel im Iran, das wir noch abzuhaken haben: Shiraz. Stark empfohlen von allen Iranern erwarteten wir den Papst unter den Katholiken. Und wir sollten nicht enttäuscht werden.

Shiraz liegt im Süden des Irans und wir haben es geliebt. Da wir immer noch als Mehrfachmillionäre durch das Land laufen und die Zeit rennt, nehmen wir uns zum Vermögensabbau ein Hotel. In diesem gibt es tatsächlich ein Mehrbettenzimmer, was wir im Iran nie erwartet hätten. Shiraz, du Stadt der Sünde. Den ersten Tag verabreden wir uns mit einem Shirazanesen, der uns seine Stadt zeigen möchte. Da wir uns das Zimmer u.a. mit einem Syrer teilen, der mittlerweile in Deutschland lebt, laden wir ihn mit zum Stadtrundgang ein.

Die verhüllte Frau guckt geduckt durch das kleine Fenster ihrer Rechte

Beim Stadtrundgang verabschiedet sich unser iranischer Freund dann ziemlich schnell, als er unsere syrisch-deutsche Begleitung sieht und meldet sich erst wieder am nächsten Tag, als er weiß, dass unser Bettnachbar abgereist ist. So werden wir erneut Zeugen von Eifersuchtsszenen, wie wir sie auch schon vorher erlebt haben. Jeder will die Ausländer für sich und von den Arabern distanzieren sich viele Iraner.

Da wir schon so dicht dran sind, fahren wir am folgenden Tag nach Persepolis. Hierfür schließen wir uns einer Reisegruppe an, um auch mal kulturelle und historische Hintergründe zur Hochkultur des Irans zu erfahren. Trotz fast unerträglicher Hitze sehen wir die stolze Vergangenheit des persischen Reichs und bekommen anschließend die riesigen, in einen Berg eingearbeiteten Gräber in Naqsch-E Rostam zu sehen.

Schattensuche in Persepolis

Zurück in Shiraz geht es nachmittags in einen der vielen Parks, in dem ein Musik-Festival stattfinden soll. Bei dem Musikfestival handelt es sich allerdings letztendlich nur um eine Gruppe älterer Iraner, die u.a. auf Zither und Tombek iranische Klassiker zum Besten geben. Die gewaltige Choreographie, die ein älterer Herr zu den Klängen abliefert, lässt darauf schließen, dass er gerade erst ein neues Hüftgelenk eingesetzt bekommen hat und sorgt für eine grandiose Show (siehe Video).

Die Rentnerband dreht auf

Am nächsten Tag entscheiden wir uns dann dazu, die letzten Tage vor Ablauf des Visums in Damavand bei Mahdi und seinen Freunden zu verbringen. Doch vorher gibt es noch einen letzten Sightseeing-Punkt zu ergattern. Früh morgens stehen wir auf, um den Sonnenaufgang in einer nahegelegenen Moschee zu erleben. Diese ist bekannt dafür, dass sie kurz nach dem Sonnenaufgang im bunten Licht erstrahlt.

Die Moschee war unfassbar voll und jeder wollte das perfekte Bild. Zum Leid der Anderen posierte Maren allein für unsere Kamera.

Nach einer 13-stündigen Busfahrt landen wir nachts in Tehran, wo es erneut einiges an Verhandlungsgeschick bedarf, bis wir uns mit den Taxifahrern auf einen Preis für die Fahrt nach Damavand geeinigt haben. So kommen wir schließlich um 4 Uhr morgens in Damavand an, erreichen allerdings Mahdi nicht mehr, da dieser beim Warten eingeschlafen ist.

In einem kleinen Park bauen wir daher unser Zelt auf und wollen gerade einziehen, als mich plötzlich die Polizei beim Zähneputzen überrascht. Maren und Janne sind bereits im Zelt, wo sie auch bleiben und mich im Stich lassen. Da ich meine Hose noch nicht ausgezogen und alle Jackie Chan Filme gesehen habe, bin ich entspannt. Zurecht, wie sich heraus stellt. Die beiden jungen Polizisten lassen sich von meinen Farsi-Kenntnissen überzeugen und kommen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus, als ich zum Besten gebe, dass ich ihren Führer und den Iran liebe und als ihr Sklave zur Verfügung stehe. Nach ein paar Selfies und Videos fahren die beiden mit Sirenengeheul schließlich fort.

Als ich zehn Minuten später im Zelt liege und fast eingeschlafen bin, geht die Sirene erneut. Innerlich sehe ich mich im Gefängnis, da ich nicht wirklich weiß, was der Polizist auf Video festgehalten hat. Da einer der beiden zum Zelt kommt und meinen Namen ruft (Ich wüsste nicht, dass ich ihnen diesen erzählt hätte), stehe ich auf und stelle mich. Doch die beiden wollen nur weitere Selfies und wissen, wer da noch mit im Zelt ist. Ich sage meine Mutter und Schwester wären dabei und hätten Angst vor der Polizei. Laut lachend zieht einer der beiden seine Waffe und sagt, er wäre ja auch gefährlich.

Mit der Waffe fuchteln konnte der junge Polizist eindeutig besser als Fotos machen

So gibt es noch ein wenig Small-Talk und Selfies. Ich frage, ob ich die Sirene auch einmal betätigen dürfe, werde aber darauf hingewiesen, dass es schon spät sei und sonst die Anwohner wach werden würden. Minuten später fahren die beiden schließlich mit lautem Sirenengeheul und weiteren iranischen Polizeiwagengeräuschen davon und ich kann endlich schlafen.

Doch nach nur drei Stunden Schlaf klopft der nächste ans Zelt. Der Gärtner und der Parkwächter weisen uns darauf hin, doch bitte vom Rasen herunter zu gehen, da dieser sonst abstirbt. Wir gehorchen selbstverständlich und werden, als man erfährt, dass die Polizei uns das Campen erlaubt hat, direkt zu Tee und Brot eingeladen. Nachdem wir alles über uns erzählt haben, fordert uns der Gärtner auf, auf dem Rasen weiter zu schlafen, bis er fertig ist mit der Arbeit. Anschließend würde er uns mit nach Hause nehmen. Wir erklären, dass unser Freund Mahdi bald kommen wird, aber uns wird nicht geglaubt, dass wir einen Freund hätten. Zurecht.

Aufruhr im Khosar Park. Wer hat den Rasen platt gezeltet?

Zum Glück erscheint Mahdi wenig später und klärt die Situation auf. Gemeinsam mit ihm fahren wir zu einem Zimmer in der Stadt, welches er uns besorgt hat und entspannen erst einmal. Die nächsten Tage ist es unterhaltsam. Wir treffen Terrorist und die anderen Jungs wieder und werden schließlich zu Sadak nach Hause eingeladen, als dieser erfährt, dass wir wieder in der Stadt sind. Da es zufälligerweise mein Geburtstag ist, feiern wir in diesen, einen Tag vor unserer Abreise, auch noch hinein.

Wahre Liebe gibt es im Iran nur unter Männern

Janne muss leider noch in der Nacht zum Flughafen, um zurück nach Deutschland zu fliegen. Maren und mich lädt Sadak dagegen ein, gemeinsam mit seiner Frau noch in die Berge zu fahren, um das schon so lange anvisierte Ziel zu erreichen, den Mt. Damavand zu sehen und in den heißen Quellen zu baden. Spät nachts landen wir schließlich in einem Hotel in den Bergen, wo wir ins heiße Wasser springen dürfen. Leider ist das Wasser so unglaublich erhitzt, dass es sich keine Hundertstel darin aushalten lässt und wir schnell aufgeben müssen.

Nach erneut nur wenigen Stunden Schlaf will Sadak mir an meinem letzten Tag im Iran den Geburtstagswunsch erfüllen, einmal Kalle-Podsche (Kopf-Fuß) zu essen. Dabei handelt es sich um ein Gericht, bei dem alles, was beim Schlachten eines Schafes normalerweise übrig bleibt, gegessen wird. Da leider wie beim letzten AfD-Parteitag Gehirn aus ist, begnügen wir uns mit dem Herz und der Leber. Das ganze ist auch nach dem Grillen immer noch sehr blutig und so früh am Morgen nicht leicht herunter zu bekommen, stellt sich aber doch als echter Leckerbissen heraus.

Endlich! Der höchste Berg des Irans: Der Mt. Damavand

Nach dem Frühstück wischen wir uns das restliche Blut vom Mund und fahren schließlich zu den besten Aussichtspunkten, um den Mt. Damavand zu bewundern. Zusätzlich gibt es noch einen kurzen Halt an einer sehr alten Moschee, bevor es in Hochgeschwindigkeit zurück zu Sadak nach Hause und dann direkt zum Flughafen geht. So endet abrupt der Monat im Iran, der uns wirklich begeistert hat.

Glasmoschee in der Nähe des Mt. Damavand.

Da Afghanistan hier von vielen, im Gegensatz zu unserem Bundesinnenminister, nicht als sicheres Herkunftsland gesehen wird und auch an der Grenze zu Pakistan immer wieder Unruhen herrschen, haben wir uns für einen Flug von Tehran nach Indien entschieden. Mittlerweile sind wir gelandet und haben das Gefühl, im „richtigen“ Asien angekommen zu sein. Täglich brauchen wir mehr Schlaf als ein Beamter über fünfzig, um die ganzen Eindrücke, die wir über Tag sammeln, verarbeiten zu können. Und doch sind wir schon jetzt positiv begeistert von Land und Leute…

Am Ende noch die Musikhighlights des Irans