Warum denn ausgerechnet nach [hier bitte ein Land einsetzen, welches in der westlichen Welt als arm, gefährlich, unterentwickelt, politisch instabil oder alles gleichzeitig gilt]?

Eine (nach Meinung vieler) berechtigte Frage, wenn erzählt wird, dass es auf unserer Reise über die Türkei in den Iran gehen soll. Verständlich ebenfalls nach einem Blick auf die Website des Auswärtigen Amtes oder intensiver Recherche von Nachrichten aus diesen Ländern. Aber gerade solche Einschätzungen aus der Ferne und Vorurteile haben die Idee zusätzlich verstärkt, den Versuch zu starten, sich selbst einmal ein Bild zu machen.

Auslöser des Ganzen war eine Begegnung mit einer iranischen Mutter auf der Dobbenwiese im vergangenen Sommer. Sie setzte sich zu uns, nachdem ihr dreijähriger Sohn den Kontakt geknüpft hatte und erzählte uns stundenlang vom schönen Iran. Dort hatte sie bis vor ein paar Jahren als Journalistin gearbeitet und vermisst es stark, obwohl sie nun im gelobten Land in Deutschland wohnt. Die Begeisterung war ansteckend. Verstärkt durch Marens Arbeit als Flüchtlingslehrerin und den vielen schönen, spannenden aber auch traurigen Geschichten der Kinder aus ihren Heimatländern und von der Flucht wuchs die Neugier. Die Idee der Iran-Reise war geboren.

Gespräche mit unterschiedlichen Bekannten, die den Iran bereits besucht hatten, machten schnell deutlich, dass die Skepsis scheinbar einzig bei Leuten vorhanden war, die bisher noch nicht im Iran gewesen waren. Wir erkannten ein Muster und beschlossen, bevor wir ebenfalls zu tief in Skepsis gegenüber fremden Kulturen und Lebenswelten verfielen, dieser zu begegnen. Vielleicht werden wir bestätigt, vielleicht aber auch nicht.

Benny war es dann schließlich, der dafür sorgte, dass wir uns gegen das Fliegen entschieden haben und versuchen wollen, den Landweg zu nehmen. Mit der Hoffnung, dass der Winter uns nicht niederstreckt, Erdogan uns durchlässt (#dankemerkel), die Visa auf der Route organisierbar und uns die Menschen unterwegs wohlgesonnen sind, geht es nun am 02. Februar los.

Eine grobe Reiseskizze als vorläufigen Plan möchte ich auch noch anhängen.

Route Plan

So sieht der Plan aktuell aus. Aber wir möchten flexibel sein und werden den Weg bestimmt häufiger anpassen. Denn jeder weiß:

„Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte“

Sprüche 16, 9

Dass Nepal im Anschluss an den Iran auch noch auf dem Plan steht, ist selbstverständlich. Wenn man schon mal da hinten unterwegs ist, kann es auch ruhig noch 1.000 km weiter gehen, um ein paar alte Freunde zu besuchen.

Für alle, die den Hintergrund dieser Reise immer noch nicht verstehen, hier eine Aufzählung unterschiedlicher weiterer, hoffentlich überzeugender Gründe (unsortiert):

  • Vermögensabbau
  • Auszeit nach acht (intensiven) Jahren Studium
  • Blödheit
  • Vermeidung des Eintritts in die Arbeitswelt
  • Neugier

Das soll genug der Rechtfertigung sein. Schon jetzt entschuldige ich mich für die Bestätigung aller vorhandenen sowie der Schaffung neuer Vorurteile, der Generierung von Stereotypen, Pauschalisierungen und aller sonstigen falsch wahrgenommenen Eindrücke. Die Berichte auf dieser Seite spiegeln persönlich erlebte Dinge wieder, welche nur einen klitzekleinen Ausschnitt des Gesamtbildes darstellen können. Ich hoffe, niemanden auf den Schlips zu treten und freue mich über Feedback jeglicher Art.

Der Schlusssatz gehört selbstverständlich dem neuen Präsidenten des wunderbarsten Staates dieser Erde:

“I don’t really have no ambition you know. I only have one thing I’d really like to see happen. I’d like to see Mankind live together. Black, white, Chinese, everyone. That’s all.”

Donald Trump